Das weiße Gold

1024px-Hofmobiliendepot_Wien_Toilettenpapier
Distributeur-Klosettpapier aus dem Wiener Hofmobiliendepot (Foto: Wikimedia CC 4.0, Geolina163/WikiDaheim)

Heute schreibe ich an dieser Stelle über ein Artefakt des Alltags, das ich in jedem von mir besuchten Museum angetroffen habe und von dem kaum jemand behaupten möchte, dass es in den letzten Wochen in aller Munde gewesen sei: Klopapier. In diesem Zeitraum wurde bereits einiges über Klopapier geschrieben, Erheiterndes, Erstaunliches, Gewöhnliches, auch Historisches. Doch ich möchte die dem Kramurium eigene Sichtweise auf das weiße Gold dieser Tage werfen, um mich einer Antwort anzunähern, warum ein Großteil der Wiener in Zeiten einer pandemischen Krise – an deren Symptom des Durchfalls laut WHO nur „sehr wenige“ der Infizierten leiden[i] –, ausgerechnet Klopapier über die Maßen einkauft. Wie konnte es dazu kommen, dass sich Klopapier derartig im Wiener kollektiven Gedächtnis manifestiert hat?

Einleitend sei gesagt, dass das weiße Gold terminologisch eine Wandlung durchgemacht hat: War in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts noch von Closet-Papier die Rede, bezeichnete man es in der Zwischenkriegszeit vorwiegend als Toilette(n)papier und erst im Zweiten Weltkrieg hat sich Klopapier, zumindest in der gesprochenen Sprache, als bis heute gängigster Begriff durchgesetzt.

Die Frühgeschichte des Klopapiers

Die älteste Werbeanzeige für den Vertrieb von „Closetpapier“ findet sich 1879 in der Salzburger Chronik für Stadt und Land, in der die Papierhandlung Eduard Boschau in der Jasomirgottstraße 6 in Wien das „Grünhut’sche Gesundheits-Closetpapier“ bewirbt.[ii] Das ist zeitgleich mit der erstmaligen Erwähnung von „Closetpapier“ in der „Papierzeitung, dem Fachblatt für Papier- und Schreibwaren-Handel und Fabrikation, sowie aller verwandten Hilfs-Geschäfte des Vereins Deutscher Buntpapierfabrikanten“. Schon ein Jahr später warnte der Kaufmann und Begründer einer Wiener Papiergroßhandlung[iii] Ignaz Grünhut „das P. T. Publicum“, dass sein „allseitig beliebt gewordenes, von ärztlichen Capacitäten bestens empfohlene Papier, in letzter Zeit von mehreren Seiten durch ein schlechtes Surrogat nachgeahmt“ wird.[iv] Immerhin hatte er sich auf sein „eigenthümliches Verfahren zur Erzeugung von Closetpapier aus frisch gemähten Pflanzen“ am 15. März für ein Jahr das Privileg vom k. k. Handelsministerium sichern können.[v] Grünhuts Zahl der Werbeeinschaltungen erhöhte sich jedes Jahr beträchtlich. Ab 1885 erhielt er für den Vertrieb im Raum Wien Konkurrenz von der Schottwiener Papierfabrik,[vi] die darüber hinaus in ihren Anzeigen eine Hauszustellung anbot.[vii] Braunes „Closetpapier“, das letztere auch in ihrem Sortiment bewarb, war übrigens immer schon um rund ein Drittel billiger als weißes.[viii]

Von diesem Zeitpunkt an erschien schließlich regelmäßig Reklame für „Closetpapier“ in den Tages- und Wochenzeitungen der Habsburgermonarchie und erreichte ihren Höhepunkt um die Mitte der 1890er-Jahre. „Closetpapier“ wurde nicht nur bei den bereits genannten Großhändlern in Wien vertrieben, sondern auch in Apotheken und Papierhandlungen, so etwa bei Josef Lustig am Hohen Markt oder bei Kutschera am Graben.[ix]

Eine besondere Variante des „Gesundheits-Closetpapiers“ war „Tymolpapir“, dessen „zäher Papierstoff“ für „Hämorrhoidalleidende“ durch Beimischung von Tymol heilbringend und lindernd wirken sollte.[x] Darüber hinaus gab es natürlich auch Luxusvarianten, wie etwa das „mit Salycilsäure getränkte Cellulose-Closetpapier“, das in einer „Enveloppe in Taschenformat“ über die Firma M. Lüdersdorf in Saaz in Österreich vertrieben wurde.[xi] Und schließlich, zu einer Zeit, als Klopapier nur in Einzelblättern angeboten wurde, konnte auch „unzerreißbares Closetpapier“ als neueste Erfindung angepriesen werden.[xii] Die zu jener Zeit übliche Einzelblattvariante wurde seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in „automatischen Kästchen“ [xiii] oder „Closet-papier-Apparaten“[xiv] angeboten (Abb. 1).

annoshow
Anzeige aus dem Prager Tagblatt vom 24. Mai 1900 für einen Closettpapier-Apparat (Foto: ÖNB Anno)

„Closetpapier“ konnte auch außerhalb der Metropole Wien bereits seit Mitte der 1880er-Jahre erworben werden, etwa in Innsbruck in Ferdinand Tschoner’s Papiergeschäft.[xv] In den slawischen Kronländern wurde „Closetpapier“ sowohl über Wien vertrieben als auch aus den Vereinigten Staaten über Deutschland[xvi] wie auch aus Deutschland importiert.[xvii] Schließlich lässt sich ab 1888 über die Werbeeinschaltungen eine eigene „Closet-Papier-Erzeugung“ nachweisen: Leopold Lachnik erzeugte in Olmütz „havannabraunes Closetpapier“, das immerhin eine registrierte Schutzmarke des Roten Kreuzes war und durch Dr. Godeffroy, dem Leiter der Wiener pharmaceutischen Schule, empfohlen wurde.[xviii] In Lemberg produzierte Alojzy Hübner seit 1890 „Gesundheitsklopapier“ (klozetowy papier zdrowia).[xix]

Klopapier hat sich also, wahrscheinlich nicht zuletzt aufgrund der massiven Bewerbungsmaßnahmen, gegen Ende des 19. Jahrhunderts für den allgemeinen Gebrauch durchgesetzt. Selbst entlegenere Regionen der Habsburgermonarchie, die jedoch bereits Ziele des Tourismus waren, konnten sich dieser Innovation nicht entziehen, empfahl doch etwa die „Österreichische Touristenzeitung“ den „Alpenwirthen“ für ihre Unterkünfte – unter anderem – dringend die Anschaffung von „Closetpapier“.[xx] So ist es nicht verwunderlich, dass bereits in dessen Frühgeschichte life hacks für „Closet-Papier“ existierten: In der Zeitschrift „Neueste Erfindungen und Erfahrungen auf den Gebieten der praktischen Technik, Elektrotechnik, der Gewerbe, Industrie, Chemie, der Land- und Hauswirthschaft“ wurde die Herstellung eines Wundverbandsmaterials auf der Basis von braunem „Closetpapier“ empfohlen, das in Streifen geschnitten und mit Baumwachs bestrichen werden sollte.[xxi] Darüber hinaus wurde „Closetpaper“ zum Reinigen der Fingernägel anstelle von Nagelbürsten angepriesen[xxii] und über einen alten Kamm gelegt als „leidliche Mundharmonika“ eingesetzt.[xxiii]

Metaphorische Dimensionen

Schon in seiner Frühzeit erhielt Toilettenpapier eine politische Dimension. Ein erster Hinweis darauf findet sich in der Arbeiter-Zeitung im Jahr 1912, die einen Aufruf der Garnisonsverwaltung der preußischen königlichen Haupt- und Residenzstadt Königsberg wiedergab, in der sie „Makulaturpapier, frei von sozialdemokratischen Inhalt, zu Klosettzwecken geeignet“ in großen Mengen aufzukaufen beabsichtigte. Das veranlasste die Redakteure der Arbeiterzeitung selbstverständlich zu dem Schluss, dass die Garnisonsverwaltung ganz richtig erkannt hätte, dass sich die bürgerlichen Blätter ausschließlich zu einem Zweck eignen würden: als Klosettpapier.[xxiv] Diese Metapher war jedoch keineswegs auf das linke Lager beschränkt. Aus demselben Jahr findet sich in „Der Morgen. Wiener Montagblatt“, einer fortschrittlich-liberalen Zeitung, die sich auf Humoresken, Satiren und politische Karikaturen spezialisiert hatte, ein Beitrag eben dieser Ausrichtung, in dem ein Advokat aufgrund unverständlicher Steuerbescheide und der damit einhergehenden Geldnöte beschlossen hatte, zukünftig auf Klosettpapier für seine Angestellten zu verzichten und an dessen Stelle die Gesetzbücher zu verwenden.[xxv] Es würde die Grenzen dieses Beitrags sprengen, hier alle politischen Metaphern für Klopapier aufzuzählen, die immer eines gemeinsam hatten: das Schriftwesen des ideologischen Gegners zu verunglimpfen. Diese weitverbreitete Form der Metapher für Klopapier erscheint schließlich auch als natürliche Konsequenz in einer Gesellschaft, die einen Großteil ihres Schimpfwörterschatzes mit dem Gesäß und dem Endprodukt von Verdauungsvorgängen in Verbindung bringt. Dass die Werbemaßnahmen für Klosettpapier, das mittlerweile auch in Rollenform inklusive der dafür benötigen Halterungen erhältlich war, weiterhin anhielten, belegt ein letztes Zeugnis der politischen Dimension, das ich an dieser Stelle anführen möchte: In der Arbeiter-Zeitung wurde bereits im Jahr 1930 konstatiert, dass „nun ja bis zum Toilettenpapier mit dem Hakenkreuz bald alles vorhanden sein wird, was der Jünger des Dritten Reiches für seines Leibes Notdurft braucht, um sein Dasein rein zu verbringen.“[xxvi]

Ein weiterer Beweis dafür, dass sich Klopapier allgemein durchgesetzt hatte, ist die Tatsache, dass es oftmals im Zentrum von Tageszeitungwitzchen stand: „ein kleiner Junge kommt in die Drogerie…“[xxvii]. Anhand dieser Kategorie von Witzen, die ebenfalls in großer Zahl vorhanden sind, zeigt sich darüber hinaus, dass sich das Humorverständnis von der Zwischenkriegszeit bis in die frühen 1960er-Jahre in den populärsten Blättern des Landes kaum geändert hat.

Erste Nöte

Man möchte meinen, dass sich erste Nöte im Klopapierverschleiß während des Ersten Weltkriegs eingestellt haben. Jedoch zeugen Zeitungsberichte davon, dass die Nachfrage zumindest im Heer bereits vor dem Großen Krieg keineswegs erfüllt werden konnte, wie sich während diverser Manöver vor allem im Offiziersmilieu zeigte.[xxviii] Wie erwartet spielte Klosettpapier bereits unmittelbar nach dem Kriegsausbruch eine Rolle – wenn auch eine andere: Dipl. Ing. Dr. Arthur Stein aus Budapest veröffentlichte in „Danzers Armee-Zeitung“ seine Ratschläge für den Winterfeldzug, in denen er berichtete, wie er aus einer Rolle Klosettpapier – „dünnes, recht festes und geschmeidiges Seidenpapier, anscheinend französischen Ursprungs“, seine Unterwäsche von den Knien aufwärts überall dort, wo er nicht durch kurze Lederweste und Ledergamaschen geschützt war, umwickelt und sich tagelang recht warm und wohlig gefühlt hatte.[xxix] „Klosettpapier in der Zelluloidschachtel“ gehörte zumindest noch zu Beginn des Krieges zur Standardausrüstung der Soldaten.[xxx] Wobei hier unter Klosettpapier für die Fußgänger unter den Soldaten auch schon Zeitungsmakulatur verstanden werden konnte.[xxxi] Klosettpapier wurde schließlich auch Teil der sogenannten Liebesgaben,[xxxii] die vom staatlichen Kriegsfürsorgeamt, vom Roten Kreuz oder anderen karitativen Initiativen organisiert und an die Front gesendet wurden. Doch auch an der Heimatfront wurde das weiße – bzw. havannabraune oder rosarote – Gold rar. Davon zeugt unter anderem eine Klage gegen die Papierwarenhändlerin Antalie Bernauer wegen Preistreiberei mit Klosettpapier im Juni 1917. Die Dame kam mit milder Strafe davon, denn der Richter führte in seiner Urteilsbegründung aus, dass das „fragliche Papier bei dem notorischen Mangel anderen Papiers zweifellos als ein unentbehrlicher Bedarfsartikel anzusehen“ sei.[xxxiii] Dem sei hinzugefügt, dass natürlich ein allgemeiner Papiermangel während des Ersten Weltkriegs geherrscht hat; die „Österreichische Buchhändler-Correspondenz“ berichtet schon 1916 von Preiserhöhungen um bis zu 300 Prozent, für ein Papier schlechterer Qualität oder überhaupt aus alten Lagerbeständen, die bereits angefault waren.[xxxiv]

Zwischennöte

Auch in der Zwischenkriegszeit bestand immer wieder Papiermangel,[xxxv] dessen neue Ausmaße insbesondere unter Überlegungen der Regierung, Papier zu exportieren, von Josef Bombek, dem Sekretär des Verbandes der Arbeiter der chemischen und Papierindustrie, im Jahr 1920 auf das Äußerste bemängelt wurden.[xxxvi] Das Fehlen von Klopapier wurde als symptomatisch für Österreich in den 1930er-Jahren angesehen.[xxxvii] Dennoch wurde Toilettenpapier auch als Grundbestandteil eines „Erste-Hilfe-Päckchens“ für Mütter, die mit ihren Kindern Wiener Parkanlagen besuchen, ausdrücklich empfohlen.[xxxviii]

Zweite Nöte

Und auch während des Zweiten Weltkriegs stellte sich in den frühen 1940er-Jahren wieder Papiermangel ein. Menschen standen Schlange in Kaufhäusern, um „eine Rolle Klopapier pro Kopf zu zivilen Preisen“ zu erhalten.[xxxix] Leo Schödl nannte in seinem propagandistischen Feuilleton „Es geht wieder aufwärts!“ in der Wiener Ausgabe des „Völkischen Beobachters“ nach Papierservietten und vor limitierter Zigarettenausgabe Klopapier an zweiter Stelle unter jenen Gütern, auf die der Deutsche zur Rettung und zum Wohle seiner Heimat verzichten könnte und wollte.[xl] Und so verwundert es auch nicht, dass Klopapier zu jener Zeit eine fixe Rolle in Fortsetzungsromanen einnahm, wenn auch nur in der Komparserie.[xli]

Aus der Zeit des Dritten Reiches finden wir nichtsdestotrotz einen weiteren Hinweis darauf, wie sich weiterhin die Angst um Klopapier im kollektiven Gedächtnis der Österreicher gehalten hat. Aus einem „Erlass des Reichskommissars betreffend die Regelung der Preise für Toilettepapier“ des Jahres 1941 – die über neue Höchstpreise auf diesem Sektor informierte – erfahren wir, dass „in der Ostmark (i.e. Österreich) schon seit langem eine straffe Regelung der Klosettpapiersorten und -preise bestand und sich der Erlass aus diesem Grund nur auf das Altreich (i.e. Deutschland) beziehen würde. Österreichisches Klopapier wurde zu jener Zeit sowohl aus anderen Papiersorten hergestellt als auch anders verarbeitet: Die Ostmark bevorzugte „das hygienischere und ökonomischere sogenannte Distributeurpapier“.[xlii] Während die „straffe Regelung“ im österreichischen Klopapierwesen auf der konsequenten Pflege des Beamtenstaats der Habsburgermonarchie basieren mag, so hätte sich dem aufmerksamen Leser der „Drogistenzeitung“, die über diese Umstände informiert hat, erschließen können, dass folglich der Habitus im Klopapierbereich nicht auf ein gemeinsames germanisches Erbe zurückzuführen sein konnte.

Die vorletzten Nöte

Der Papiermangel in der Zweiten Republik, der sich bis in die späten 1940er-Jahre in den Berichterstattungen der Zeitungen verfolgen lässt, geht nicht gesondert auf den Mangel an Klopapier ein. Lediglich im „Linzer Volksblatt“ werden wir fündig, das im Februar 1948 eine Berichtigung veröffentlichen musste, nachdem ein Redakteur über einen „ehemaligen Kriegskameraden“ geschrieben hatte, dass er „in seiner Angst um das liebe Geld jeden Schund zusammengekauft hat, sogar 1000 Rollen Klopapier, und nun wisse er nicht mehr, das er damit anfangen soll.“ Die Entgegnung des ehemaligen Kriegskameraden liest sich höchst aufschlussreich:

„Unwahr ist, daß meine Klopapierkäufe Angstkäufe waren. Wahr ist vielmehr, daß meine Klopapierkäufe nur kluge Spekulation mit Papier waren. – Unwahr ist, daß ich nun nicht weiß, was ich damit anfangen soll. Wahr ist vielmehr, daß ich ganz genau weiß, was ich damit anfangen soll. Wahr ist vielmehr, daß ich ganz genau weiß, wozu mein Klopapier gehört. – Unwahr ist, daß ich mit diesen Käufen Verluste erlitten. Wahr ist vielmehr, daß ich mich mit diesen Käufen saniert habe, wie das folgende Beispiel beweisen wird: Im November kostete eine Rolle Klopapier bereits 1,20 alte Schilling = 400 neue Schilling. Heute kostet eine Rolle Klopapier im gleichen Geschäft schon 2,10 (neue!) Schilling. 1000 Rollen würden mich demnach heute 2100 Schilling kosten. Es ist eine sehr einfache Rechnung, daß ich durch meine Käufe allein bei Klopapier 1700 neue Schilling gewonnen habe.“[xliii]

Mit dem Wirtschaftswunder ab den 1950er-Jahren fand schließlich auch der Klopapiermangel ein Ende.

Der lange Schatten des weißen Goldes

Es zeigt sich, dass nach mehreren Jahrzehnten offensiver Werbung gegen Ende des 19. Jahrhunderts Klopapier gut an den österreichischen Konsumentenkörper herangeführt worden war. In Produktion, Verarbeitung und Vielfalt von Klopapier beschritt Österreich von Anfang an einen Sonderweg. Neben der primären Aufgabe übernahm Klopapier bald eine wichtige Rolle im ideologischen und politischen Diskurs, fand Eingang in die Welt des Humors und wurde regelmäßiger Bestandteil im belletristischen Hintergrund. Erste Mangelerscheinungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts sowie während beider Weltkriege und der Zeit dazwischen führten zu Klopapiermangel und Preiswucher. In der Folge davon wurde Klopapier per richterlichen Erlass zum unentbehrlichen Bedarfsartikel erkoren und bot neben allen anderen Möglichkeiten für Leib und Seele der Österreicher die Möglichkeit individueller Bereicherung. Aufgrund dieser Entwicklung der letzten 150 Jahren mögen Klopapierhamsterkäufe unter diesem multikausalen Hintergrund vielleicht verständlicher erscheinen.


Da es diesmal aufgrund der Beschaffenheit meiner Quellen nicht möglich war, diese in den Fließtext erkenntlich einzubauen, sind sie an dieser Stelle in Form von Endnoten angeführt. Ich möchte noch hinzufügen, dass meine Recherche-Möglichkeiten aufgrund der Regierungsmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Coronavirus auf mir zugängliche Online-Quellen limitiert waren – und mich an dieser Stelle für das großartige Zeitschriften-Angebot der ÖNB („Anno“) bedanken. Und schließlich möchte ich an dieser Stelle noch auf den Bibliotheksblog „Geschichte in Geschichten“ der ÖNB verweisen, in dem Margot Werner einen humorvollen und ausgesucht illustrierten Blick auf die Geschichte des Klopapier wirft: „Herr, schenke mir eine Rolle Klopapier!“.

[i] WHO Coronavirus, online unter https://www.who.int/health-topics/coronavirus#tab=tab_3, letzter Zugriff am 01.04.2020: “and very few people will report diarrhoea, nausea or a runny nose”.

[ii] Salzburger Chronik für Stadt und Land, 24. Juli 1879, 3. In der Folge auch Allgemeine Sport-Zeitung, 22. Juli 1880, 52.

[iii] Rudolf Till, Hundert Jahre Wiener Papier: Wiener Papiergrosshandlung Ges. m. b. H. – vorm. J. Grünhut (1858–1958): Drei Generationen im Dienste des Wiener Kulturlebens, Wien 1958.

[iv] Wiener Zeitung, 23. Oktober 1880, 16.

[v] Wiener Zeitung, 18. April 1880, 28.

[vi] Wiener Zeitung, 7. Dezember 1885, 4.

[vii] Wiener Hausfrauen-Zeitung, 4, 1887, 39.

[viii] Z.B. Closetpapier braun, 500 Blatt: 15 Kronen, Closetpapier weiß, 1000 Blatt: 40 Kronen: Prager Tagblatt, 29. November 1904, 16.

[ix] Neue Freie Presse, 5. Oktober 1880, 14; Wiener Zeitung, 30. Oktober 1882, 4.

[x] Prager Tagblatt, 6. Februar 1886, 24.

[xi] Österreichische Zeitschrift für Pharmacie, 20. Juli 1885, 340.

[xii] J. C. Ackermann’s illustrierte Wiener Gewerbe-Zeitung 2, 1885.

[xiii] Z.B. von L. Guttmann, Wien 1 Bäckerstraße 1 und Dorotheergasse 6: Die Neuzeit, 3. Jänner 1896, 9, oder von Heinrich Boschan, in Wien 1, Laurenzerberggasse 1: Das interessante Blatt, 4. Februar 1904, 20.

[xiv] So etwa ab 1897 bei Albert Bielitz in Wien 1, Adlergasse 8: Adolph Lehmann’s allgemeiner Wohnungs-Anzeiger nebst Handels- u. Gewerbe-Adressbuch für d. k.k. Reichshaupt- u. Residenzstadt Wien u. Umgebung, 1897, 701.

[xv] Innsbrucker Nachrichten, 20. November 1885, 14.

[xvi] Teplitz-Schönauer Anzeiger, 17. März 1883, 15.

[xvii] Fremdenblatt-Organ für die böhmischen Kurorte, 8. Juli 1885, 8.

[xviii] Mährisches Tagblatt, 7. April 1888, 12.

[xix] Kuryer Lwowski, 5. April 1890, 7. 26. März 1888.

[xx] Einige Worte an unsere Alpenwirthe, in: Österreichische Touristenzeitung 13, 1896, 161.

[xxi] Neueste Erfindungen und Erfahrungen auf den Gebieten der praktischen Technik, Elektrotechnik, der Gewerbe, Industrie, Chemie, der Land- und Hauswirthschaft, 1902, 276.

[xxii] Neuigkeits-Welt-Blatt, 9 Mai 1915, 15.

[xxiii] Die Neue Zeitung, 28. Februar 1915, 6.

[xxiv] Arbeiter-Zeitung, 13. Februar 1912, 6.

[xxv] Der Morgen – Wiener Montagblatt, 20. Mai 1912, 9.

[xxvi] Bittere Schokolade, Arbeiter-Zeitung, 21. November 1930, 5.

[xxvii] Grazer Tagblatt, 5. März 1933, 14. Wiener Sonn- und Montags-Zeitung, 16. Jänner 1933, 16. Auch wenn es mir im Zuge limitierter Recherchemöglichkeiten nicht möglich war, hierzu Bildquellen zu finden, so scheint es mit Hakenkreuzen bedrucktes Klopapier tatsächlich gegeben zu haben: Die Rote Fahne, 27. Mai 1932, 7. Dass sich jedoch auch die Gegenseite in dieser Hinsicht engagierte, bezeugt der Fund einer Rolle Klopapier in einer Scheune im britischen Herefordshire, die mit Karikaturen von Protagonisten des Dritten Reichs bedruckt war: https://www.militaria-history.co.uk/news/busy-times-for-nazi-memorabilia/. Für diesen Hinweis bedanke ich mich an dieser Stelle herzlich bei Alexander Bossew.

[xxviii] Pharmaceutische Presse Nr. 21, 25. Mai 1912, 186.

[xxix] Danzers Armee-Zeitung, 24. September 1914, 5.

[xxx] Allerlei aus Krieg und Frieden, in: Wiener Hausfrau, 22. November 1914, 8.

[xxxi] Znaimer Wochenblatt, 30. September 1914, 5: „Im Interesse der Reinlichkeit sollte auch Klosettpapier (Zeitungsmakulatur), das von Lindern in Pakete geheftet werden könnte, in Mengen den Soldaten mitgegeben und nachgesendet werden.“

[xxxii] Österreichische illustrierte Zeitung, 3. Jänner 1915, 25; Neue Freie Presse, 6. Februar 1916, 12.

[xxxiii] Neues Wiener Tagblatt, 10. April 1918, 12.

[xxxiv] Zur Papierfrage, in: Österreichische Buchhändler-Correspondenz 25. Oktober 1916, 2.

[xxxv] Anzeiger für den Buch-, Kunst- und Musikalienhandel, 52, 24. Dezember 1932, 2.

[xxxvi] Der Kampf um das Papier, in: Arbeiter-Zeitung, 8 Mai 1920, 2.

[xxxvii] Karl Lustig-Prean, Werbung für Oesterreich, Welt-Blatt, 4. Juni 1933, 10.

[xxxviii] Die Frau und Mutter, Heft 6, 1930, 24.

[xxxix] Leo Schödl, Den Menschen ein Wohlgefallen, in: Völkischer Beobachter – Wiener Beobachter, 29. November 1942, 5.

[xl] Leo Schödl, Es geht wieder aufwärts!, in: Völkischer Beobachter – Wiener Beobachter, 11. Oktober 1942, 5. Ähnlich bereits 1940 in: Das Gewohnheitstier, Neuigkeits-Welt-Blatt, 20. Jänner 1940, 4.

[xli] Etwa „In Gottes eigenem Land“ von Stabsarzt Dr. E. Ahlwede, Völkischer Beobachter, 14. Februar 1942, 3. Oder in „Bankhaus Reichenbach. Roman von Artur Landsberger“, Grazer Tagblatt, 31. Oktober 1929, 13. Oder „Der ungeliebte Mann“ von Hans Fallada, Das interessante Blatt, 23. Oktober 1940, 8.

[xlii] Drogisten-Zeitung, 1. Dezember 1941, 5.

[xliii] Berichtigung, Linzer Volksblatt, 2. Februar 1948, 3.

Ein Gedanke zu “Das weiße Gold

Schreibe eine Antwort zu Claudia Antwort abbrechen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.