Die gegerbte Brust

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Die gegerbte Brust der Anna Rieckh (Foto: Lukas Kerbler, Stadtmuseum Retz)

Im 18. und 19. Jahrhundert waren schwere Verletzungen sowie einsetzender Wundbrand die häufigste Ursache für Amputationen. Nicht selten liest man in den chirurgischen Handbüchern jener Zeit die Anweisung, die Amputation möglichst sauber durchzuführen, um den amputierten Körperteil anschließend für die den chirurgischen Anstalten oft angeschlossenen Sammlungen präparieren zu können. Auch die in den „Medicinischen Jahrbüchern des österreichischen Kaiserstaates“ beschriebenen Fallstudien bestätigen diese Praxis. Allein der Lektüre zufolge müssen sich große Mengen amputierter Gliedmaßen im „Museo des k. k. allgemeinen Krankenhauses“ befunden haben. Organe und Weichteile wurden als Feucht- oder Trockenpräparate konserviert, wobei bei letzteren die Gerbung durchaus üblich war. Ein Stück mit großem Seltenheitswert wurde offensichtlich nicht in diese Sammlungen aufgenommen, sondern der Patientin mitgegeben: die „gegärbte weibliche Brust, von Anna Rieckh aus Altstadt Retz No. 118 Operirt Professor Kern Brustkrebs 1813, in Wien“, die sich heute im Stadtmuseum Retz befindet.Weiterlesen »

Eine Reliquie vermeintlicher Wutsucht

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Der Gipsabdruck der Hirnschale Ferdinand Raimunds mit phrenologischen Beschriftungen (Foto: Rollettmuseum Baden)

Am Welt-Tollwuttag, dem 28. September des Jahres 2008, wurde Österreich zum tollwutfreien Gebiet erklärt. Über Jahrtausende hinweg führte diese von Wild- und Haustieren auf den Menschen übertragene Virus-Infektion, die auch als Wutsucht, Hundswut, Wasserscheu oder Rabies bezeichnet wurde, fast unweigerlich zum Tod. In Österreich machte sich der Militärarzt Matthäus Mederer (1739–1805), der sich unter anderem intensiv mit der Bekämpfung von Tollwut beschäftigt hatte, im wahrsten Sinn des Wortes einen Namen, als ihn Kaiser Joseph II. 1789 mit dem Prädikat Edler von Wuthwehr versehen in den erblichen Adelsstand erhob. Sein Sohn, General Conrad von Mederer Edler von Wuthwehr (1781–1840), war der bekannteste Träger dieses Titels. So verdienstvoll die Bemühungen von Matthäus Mederer Edler von Wutwehr auch waren, konnten sie jedoch einen zeitgenössischen prominenten Wiener Bürger nach einem Hundebiss nicht von einem Suizidversuch abhalten.Weiterlesen »

Das blutige Fenster

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Das blutige Fenster ( Abb. C. Wawruschka)

Die Zweite Wiener Türkenbelagerung gehört heute nicht mehr zu den als prägend empfundenen Ereignissen der österreichischen Geschichte, wie der Wiener Historiker Peter Rauscher im Jahr 2010 in seinem wissenschaftlichen Aufsatz „Die Erinnerung an den Erbfeind. Die ‚Zweite Türkenbelagerung‘ Wiens 1683 im öffentlichen Bewusstsein Österreichs im 19. und 20. Jahrhundert“ festgestellt hat. Diese Vernebelung der Erinnerung war offenbar schon in Baden bei Wien in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Gange: Der Lyriker und Lokalhistoriker Hermann Rollett (1819–1902), ein Sohn des Sammlungsgründers Anton Rollett (1778–1842) und von 1876 bis zu seinem Lebensende Stadtarchivar und Leiter des Rollettmuseums in Baden, monierte in seinen lokalhistorischen und populärwissenschaftlichen Veröffentlichung regelmäßig eben dieses Vergessen. Das erklärt, warum die Belagerung von 1683 ein besonderes Anliegen seiner lyrischen und museumspädagogischen Vermittlung in Bezug auf die Stadtgeschichte Badens darstellten.

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Auch ein Kunstsammler verliert ein Korn

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Weizenkorn mit Widmung von J. Sofer (Foto: C. Wawruschka)

Es mag die kleinste Widmung im Rollettmuseum in Baden sein. Aber sie verbirgt eine große Geschichte. Im Spendenverzeichnis des Museums findet sich ein Eintrag vom 26. Oktober 1884, nach dem „vom Bürgermeister Christallnigg ein Weizenkorn, mit von J. Sofer aus Rumänien in Kleinschriftkunst darauf ausgeführter, 32 Worte enthaltender Widmung“ übergeben wurde. Und tatsächlich befindet sich dieses kleine Weizenkorn noch heute im Museum, auch wenn es nicht ausgestellt ist. Die Widmung lautet „Sr. Wohlge. Herrn Eduard Perger Inhaber der Firma Perger & Co und Realitätenbesitzer in Baden Dem wahrhaft humanen Manne dem Kunstgönner und Wohlthäter widmet dies Kunstproduct ergeb. J. Sofer aus Bucaresz Rumänien Baden 1884“.

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Die „napoleonische Semmel“

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Die „napoleonische Semmel“ (rechts) im Vergleich zu einer zeitgenössischen Semmel (links) (Foto: Rollettmuseum Baden)

Dass man in der ehemaligen Kaiserstadt auch heute noch selbstverständlich eineKaisersemmel serviert bekommt, ist nicht weiter verwunderlich. Im Rollettmuseum in Baden bei Wien befindet sich jedoch auch ein quasi prä-proletarischer Gegenspieler dieses imperialen Gebäckstücks. Das Spendenverzeichnis vom 18. Februar 1877 notiert, dass „Herr Anton Schmidberger eine Semmel vom Jahre 1805 aus dem Thumult in Wien im Oktober des genannten Jahres“ an das Museum gespendet hat. Und tatsächlich kann das als „napoleonische Semmel“ titulierte Artefakt auch nach 213 Jahren immer noch in der Schausammlung des Museums im ersten Stock bewundert werden.

Welche Geschichte steckt hinter diesem Gebäckstück?Weiterlesen »